Haarfollikel, Haarzwiebel und Haarwachstum
Die Wissenschaft hinter der dauerhaften Haarentfernung
Unerwünschte Körperbehaarung an Beinen, Achseln, im Intimbereich oder im Gesicht ist für viele Menschen mehr als nur ein kosmetisches Thema. Wer sich für eine dauerhafte Haarentfernung interessiert, stößt unter anderem auf Begriffe wie Haarfollikel, Haarpapille oder auch Haarwurzel. Was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Warum ist es wichtig, die Haarstruktur und das Haarwachstum zu verstehen, um Körperhaare dauerhaft zu entfernen? Diese und weitere Fragen beantworten wir in diesem Artikel.
Haarfollikel und der Aufbau unter der Haut
Der sichtbare Teil eines Haares, der sogenannte Haarschaft, ist eigentlich nur die Spitze des Eisbergs. Der interessantere Teil liegt unterhalb der Hautoberfläche, denn hier wird das Haar produziert und mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt, um zu wachsen. Der Haarschaft selbst besteht im Grunde aus abgestorbenen Hornzellen, deren Anzahl, Dicke und Farbe bei jedem Menschen unterschiedlich sind. Zu seinen Aufgaben zählt neben der Temperaturregulation unter anderem auch der Schutz der Haut vor UV-Strahlung.
Der Haarfollikel beschreibt die äußere Hülle des Systems. Er ist eine Art Kanal, der den Haarschaft umschließt und bis hinunter zur Haarzwiebel reicht. Er ist allerdings kein passiver Behälter, sondern eine aktive biologische Struktur, die über eigene Zellen, kleine Muskeln und Talgdrüsen verfügt. Die Haarwurzel umschreibt alle Bestandteile eines Haares unterhalb der Hautoberfläche. Zu ihr gehört die bereits erwähnte Haarzwiebel, aber auch die Haarpapille. In ihrer Form ähnelt die Haarzwiebel einer normalen Zwiebel, was auch zu ihrer Namensgebung beigetragen hat. In ihr befinden sich die sehr aktiven Matrixzellen, die sich ständig teilen und so das Haar wachsen lassen.
Die dafür notwendige Energie und wichtige Nährstoffe erhalten sie über die Haarpapille. Sie ragt von unten an die Haarzwiebel heran und gleicht einer kleinen, zapfenförmigen Struktur. Ohne sie und die ständige Versorgung der Haarzwiebel mit Nährstoffen, Sauerstoff oder verschiedenen chemischen Signalen, würde die Haarproduktion direkt zum Erliegen kommen. Die Papille ist also das Herzstück des gesamten System und damit das entscheidende Ziel einer Behandlung zur dauerhaften Haarentfernung.
Die Haarpapille und ihre Bedeutung in der dauerhaften Haarentfernung
Eine Laserbehandlung zur Haarentfernung funktioniert nicht, indem sie die Haare einfach verbrennt. Das Ziel der Behandlung liegt deutlich tiefer innerhalb der Haarwurzel: die Haarpapille. Als Versorgungszentrum des Haares übernimmt sie eine wesentliche Funktion im Wachstumszyklus. Durch die Behandlung soll die Papille entsprechend so stark geschädigt werden, dass sie ihre Funktion verliert und kein Haar wachsen kann.
Möglich ist dies durch das Melanin innerhalb der Haare. Es wird innerhalb der Haarzwiebel produziert und ist im Wesentlichen der Farbstoff, der allen Haaren ihre Farbe verleiht. Im Rahmen der Laserbehandlung absorbiert das Melanin die Lichtenergie und wandelt sie in Wärme um. Diese breitet sich entlang des Haarschafts bis hinunter zur Zwiebel und Haarpapille aus. Hier soll sie nun die teilungsaktiven Matrixzellen und die Papille zerstören oder mindestens so stark schädigen, dass sie dauerhaft funktionsunfähig werden.
Je besser die thermische Energie die Papille erreicht und je vollständiger deren Zerstörung ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass aus diesem Follikel nie wieder ein Haar nachwachsen wird. Bei Haaren mit hohem Melaninanteil, also sehr dunklen Haaren, ist die dauerhafte Haarentfernung mittels Lasertechnologie daher meist effizienter. Wird die Papille nur teilweise geschädigt, kann sie sich regenerieren und die Haarproduktion nach einiger Zeit neu beginnen. Aus diesem Grund sind im Vergleich bei hellen oder grauen Haaren mitunter mehr Behandlungen notwendig, um ein wirklich dauerhaftes Ergebnis zu erzielen.
Der Haarzyklus – warum sind mehrere Behandlungen notwendig?
Die Effektivität einer Laserbehandlung zur Haarentfernung hängt nicht nur von der Technik ab, sondern auch vom richtigen Zeitpunkt. Grund ist der Haarwachstumszyklus, der in drei Phasen abläuft:
- Anagenphase (Wachstumsphase): Das Haar wächst aktiv. Haarpapille und Haarzwiebel sind in dieser Phase voll funktionsfähig.
- Katagenphase (Übergangsphase): Der Haarfollikel schrumpft und das Haarwachstum wird langsamer.
- Telogenphase (Ruhephase): In dieser Phase fällt das Haar schließlich aus und der Follikel beginnt mit den Vorbereitungen für einen neuen Zyklus.
Nur in der ersten Phase ist eine Laserhaarentfernung wirksam, da nur in dieser Zeit aktiv neue Haarzellen produziert werden. Gleichzeitig läuft jetzt auch die Melaninproduktion auf Hochtouren. Das Haar ist besonders dunkel – ideal für eine effiziente Lichtabsorption. In dieser Phase kann die Wärme effektiv zur Papille geleitet werden, allerdings befinden sich je nach Körperregion unterschiedlich viele Haare gleichzeitig in dieser ersten Wachstumsphase. Haare die sich während der Sitzung in der Katagen- oder Telogenphase befinden, bleiben unbeeindruckt von der Wirkung des Lasers. Sie werden spätestens einige Wochen nach der Behandlung sichtbar nachwachsen. Daher ist es unverzichtbar, mehrere Sitzungen durchzuführen, um ein wirklich dauerhaftes Ergebnis zu erreichen.
Einflussfaktoren auf Haarwachstum und Behandlungsergebnisse
Haare wachsen nicht bei allen Menschen gleich. Während sie bei dem einen schneller zu wachsen scheinen, dauert es beim anderen länger. Das resultiert aus verschiedenen Faktoren: So befinden sich zum Beispiel nur etwa 20% der Haare gleichzeitig in der aktiven Wachstumsphase – ein weiterer Grund für mehrere Sitzungen zur dauerhaften Haarentfernung. Die Dauer der Anagenphase ist übrigens ebenfalls für jeden unterschiedlich und genetisch beeinflusst.
Neben diesen eher allgemeinen Punkten ist auch die gewünschte Körperregion ein Einflussfaktor. Grund ist die Tiefe der Haarpapille innerhalb der Dermis. Während sie an den Beinen meist zwischen 2 und 4 Millimetern unterhalb der Hautoberfläche sitzt, ist sie im Gesicht oft weniger tief zu finden. Daraus ergeben sich unterschiedliche Parameter für die Laserbehandlung. Die Dicke und Farbe der Haare sind weitere Punkte, die Einfluss auf das Ergebnis haben. Grund ist das bereits erwähnte Melanin, das in dichten, dunklen Haaren in größeren Mengen vorkommt. Die Lichtabsorption und der Transport der Wärmeenergie sind bei diesen Haaren entsprechend besonders effektiv.
Warum Sie sich vor der Behandlung rasieren sollten
Diese Frage wird relativ häufig gestellt, denn schließlich haben Sie sich für eine Laserbehandlung entschieden, um die gewünschte Körperregion nicht mehr rasieren zu müssen. Dennoch wird es vor der Sitzung aus einem einfachen Grund empfohlen: Das Licht wird über das Melanin des Haares absorbiert und als Wärme zur Haarzwiebel und Haarpapille transportiert. Ist der Haarschaft, also der äußere Teil des Haares, zu lang, würde ein Großteil der Energie ungenutzt verpuffen.
Rasierte Haare bieten hier einen Vorteil. Das Melanin ist auch im Haarschaft unterhalb der Haut enthalten. Es kann die Lichtenergie an der Hautoberfläche absorbieren und die Wärme anschließend gezielt weitertransportieren. Die Behandlung ist jetzt besonders effizient, denn die Wärmeenergie konzentriert sich genau dort, wo sie gebraucht wird.
Langfristige Veränderungen & dauerhafte Reduktion
Was passiert nach einer Behandlung? Tatsächlich mehr, als man im ersten Moment vermuten könnte. Die geschädigte Papille versucht, sich zu regenerieren und ggf. einen neuen Zyklus zu starten. Die Blutversorgung bleibt durch die Schädigung allerdings dauerhaft eingeschränkt. Selbst wenn also ein neues Haar wächst, wird dieses in der Regel heller und deutlich dünner sein als zuvor. Mit jeder weiteren Sitzung wird die Wirkung verstärkt, bis die Haarproduktion letztlich vollständig endet.
Aus diesem Grund spricht man im medizinischen Kontext auch eher von einer dauerhaften Haarreduktion und nicht von der Haarentfernung. Selbst nach mehreren erfolgreichen Behandlungen schaffen es einzelne Papillen, sich über längere Zeit zu erholen und einen neuen Wachstumszyklus zu beginnen. Daher sind manchmal Nachbehandlungen notwendig, um die Ergebnisse zu verbessern. Dennoch: Nach einer erfolgreichen Behandlungsserie ist die Anzahl der aktiven Haarfollikel meist um etwa 80 – 95 % gesunken.
So gesehen sind Haarfollikel, Haarzwiebel und Haarpapille vielleicht mikroskopisch klein, doch ihr Einfluss im Rahmen der Laserhaarentfernung ist entsprechend groß. Nur mit einer nachhaltigen Schädigung der Haarpapille als Versorgungszentrum der Haarfollikel können langfristige Ergebnisse erzielt werden.

